Streitet nicht!

veröffentlicht in Sonntagsblog

Josef sprach zu seinen Brüdern: Zankt nicht auf dem Wege! 1.Mose 45,24 Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Matthäus 5,9

Die Situation, in welcher der erste Vers entstand, ist die, dass die Brüder von Josef erfahren haben, dass der Stellvertreter des Pharaos, in Wahrheit ihr Bruder Josef ist, den sie aus Neid und Missgunst in die Sklaverei verkauft hatten. Und nun müssen sie nach Hause zu ihrem betagten Vater, zu Jakob, und müssen ihm alles gestehen, sowohl, was sie damals ihrem Bruder angetan haben, als auch, was daraus geworden ist.
Die Aussichten stehen gut, dass es zu heftigen Auseinandersetzungen darüber kommen kann, wer den Kopf hinhalten muss. Wer dem Vater die Schandtat beichten muss, wer das Risiko und die mögliche Schuld auf sich nehmen muss, dass der Vater bei dieser Nachricht einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder sonst womöglich tödliches erlebt.
Selten gibt es Streit darüber, wer die Verantwortung für etwas übernehmen darf. Niemand will heute noch für irgend eine negative Sache den Kopf hinhalten, selbst wenn es ganz offensichtlich das eigene Versagen ist, (vor allem in der Politik nicht).
Aber, das war schon immer so, gleich nach der Schöpfung und dem Sündenfall. Der Mann sagte: „Die Frau, die du mir gegeben hast, ist schuld.“ Und die Frau sagte: „Die Schlange, die du geschaffen hast, ist schuld.“
Am Ende ist bei uns Menschen keiner Schuld. Früher, als man noch an Gott glaubte, war der an allem schuld. Heute, wo Gott für die Leute keine Rolle mehr spielt, ist es die Familiengeschichte, sind es die Traumata, die man dort oder in der Gesellschaft, durch die Kultur, die ungerechten Strukturen, eben durch die anderen erlebt hat, schuld.
Bei Josefs Brüder gab es Rädelsführer, und es gab die Mitläufer. Und wenn sie ehrlich sind, haben sie alle Schuld, müssen alle hin stehen und bekennen. Wir haben dich belogen und betrogen und hintergangen. Du hast uns vertraut und wir haben dieses Vertrauen schmählich verraten.
Obwohl Josef sich, nach dem er sich ihnen offenbarte, nur noch freundlich ihnen gegenüber verhielt, fürchteten sich die Brüder vor ihm, nachdem ihr Vater gestorben war. Ihr Schuld drückte sie noch Jahrelang. Wahrscheinlich war auch diese gegenseitige Schuldzuweisung immer noch unter ihnen vorhanden.
Josef musste ihnen daher sagen:

»Ihr zwar, ihr hattet Böses gegen mich beabsichtigt; Gott hatte beabsichtigt, es zum Guten, damit er tue, wie es an diesem Tag ist, ein großes Volk am Leben zu erhalten.«
1.Mose 50:20

Sünde, Schuld, trennt, macht uneins, entfremdet. Und Gott will nicht, dass seine Gemeinde in Unfrieden lebt. Wenn wir für unser Versagen die Verantwortung übernehmen, es bekennen und Vergebung in Anspruch nehmen, dann wird das vermieden. Dann kann der Teufel uns nicht auseinander treiben. Daher spricht Jakobus auch davon, dass wir einander unsere Sünden bekennen sollen. Er sagt das in Verbindung mit Heilung. Manchmal stehen die seelischen Erkrankungen, Zustände des Unwohlseins, in Zusammenhang mit Schuld. Solche, die uns nicht bewusst ist, solche, die wir verdrängen, die wir uns und anderen nicht eingestehen wollen, solche, die wir anderen nicht vergeben wollen oder meinen nicht vergeben zu können.
Josef sagt, dass das negative, was er persönlich erlebte - das er nicht kleinredet - das Böse, das ihm seine Brüder angetan haben, das sie absichtlich getan hatten, am Ende unter Gottes souveräner Absicht in etwas Gutes verwandelt wurde.
Joseph ist zum Typus von Jesus Christus schlechthin geworden. Dem jungen Mann, der in die Fremde, in die Sklaverei verkauft wird, um dort zum Retter seines Volkes heranzuwachsen und heranzureifen. Jesus wurde von Gott in diese Welt gesandt, wurde zum allergeringste (also zum Sklaven), um für uns die Sünde zu tragen und für uns zu sterben, um uns aus der Sklaverei der Sünde zu befreien und somit vor dem ewigen Tod zu bewahren.
Wenn wir, die wir uns Christen nennen, wirklich verstanden haben, dass wir alle von Jesus gerettet wurden, er für jeden von uns sterben musste, dann sollte es keinen Neid, keine Missgunst, keine Geringschätzung, Überheblichkeit mehr unter uns geben. Wir sind alle begnadigte, gerechtfertigte und von neuem geborene Kinder Gottes. Wir können ohne Probleme zu unserem Versagen stehen. Wir müssen es auf niemanden schieben. Wir können anderen ihr Versagen vergeben, wenn wir davon betroffen sind, weil wir auch ihre Vergebung brauchen. Das alles ist für uns möglich, weil wir den einen für uns alle gleichermaßen gestorbenen HERRN und Erlöser haben.
Deshalb streitet nicht auf eurem Weg.