Vergebung - wie ist sie möglich?
veröffentlicht in Sonntagsblog
Josefs Brüder baten ihn: Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! 1.Mose 50,17 Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus. Epheser 4,32
In unseren Versen aus dem alten Testament und dem neuen Testament geht es beide Male um Vergebung.
Im ersten Vers steht die Geschichte, des als Teenager durch seine älteren Brüder nach Ägypten verkauften Joseph, der die Traumkarriere schlechthin hingelegt hatte.
Als ausländischer Sklavenjunge, nach nicht geringem Erfolg im Haus Potiphars, durch Verleumdung in den Kerker des Pharaos geworfen, steigt er, durch Gottes Gnade, zum Stellvertreter des Pharaos auf und rettet als solcher seine ganze Familie, inklusive seiner verräterischen Brüder, in einer weitreichenden Hungersnot.
Sie haben, nach dem Tod ihres gemeinsamen Vaters Angst, dass Joseph sich nun rächt. Und dann kommt eine Aussage, die wahrscheinlich über unsere aller Vorstellung hinaus geht:
»Ihr zwar, ihr hattet Böses gegen mich beabsichtigt; Gott <aber> hatte beabsichtigt, es zum Guten <zu wenden>, damit er tue, wie es an diesem Tag ist, ein großes Volk am Leben zu erhalten. 21 Und nun, fürchtet euch nicht! Ich werde euch und eure Kinder versorgen. So tröstete er sie und redete zu ihrem Herzen.«
1.Mose 50:20+21
Der hebräische Text ist etwas knapper:
… ihr hattet Böses gegen mich beabsichtigt;
Gott hatte zum Guten beabsichtigt …
Und das ist eine Perspektive, die man nur haben kann im absoluten Vertrauen auf Gottes Souveränität, auf seine Allmacht, auf sein Allwissen und dem daraus erwachsenden Handeln, das manches zulässt, was wir oft mit seinem Charakter als inkompatibel erachten.
Warum lässt Gott das zu, dass Brüder so mit einem ihrer Brüder umgehen?
Ist das ein Gott der Liebe?
Wenn wir Gott in allem vertrauen, dann vertrauen wir ihm, dass selbst solche Ungemach seinen guten Absichten dient. Gott gebrauchte ein im Krieg verschlepptes hebräisches Mädchen dazu, dass der syrische General Naaman Heilung und Rettung erlebte, in dem es zu einem Botschafter des Gottes Israel wurde.
Naaman musste von Aussatz geplagt werden, um dem ihn heil machenden Gott der Hebräer kennenzulernen und anbeten zu können. Wie sonst wäre er zu Elisa gekommen.
Und ultimativ musste Jesus leiden, damit wir gerettet werden können. Im Kern des Evangeliums wird deutlich, dass das, was Menschen an Bösem tun wollten, Gott zum Guten nutzt.
Die Juden verkauften wieder einen der Ihren in die Hand von Fremden, wie bei Joseph.
Joseph wurde zum Retter aus der den Tod bedeutenden Hungersnot, die nicht nur seine eigene Sippe, sondern vielen Menschen in der ganzen Welt bedrohte,
Jesus wurde zum Retter aus der den Tod bedeutenden Sündennot, für sein Volk und für die ganze Welt.
Als Christen sollten wir am besten wissen, dass Gott das Böse in Gutes wenden kann, ja es nicht nur kann, sondern auch getan hat.
Er hat uns, die wir Böse waren, die wir uns aber mit Jesu Tod identifiziert haben, die in der Taufe mit ihm, in seinen Tod hineingegangen sind, neu gemacht und ein gutes Werk in uns begonnen.
Wir, vor allen anderen Menschen, haben die Ausrüstung, und die Grundlage, die Vergebung weiterzugeben, die wir empfangen haben.
Wir, vor allen anderen Menschen, sollten in der Lage sein, denen die Hand zu reichen, die es böse mit uns gemeint haben.
Deshalb sagt Jesus seinen Jüngern: