Sprich nur ein Wort ...

veröffentlicht in Sonntagsblog

Der Hauptmann bat Jesus: Sprich nur ein Wort, und mein Knecht wird gesund. Lukas 7,7

Was war das für ein Mann, der nach Jesus rufen lässt und die Ältesten von Kapernaum schickt. Es wird gesagt dass er die Nation der Juden liebte und ihnen in Kapernaum eine Synagoge gebaut hatte. Die Ältesten sagen Jesus: Er ist es wert, dass du zu ihm gehst.
War er auch davon überzeugt, dass er es wert ist?
Nein, absolut nicht. Er sagt ich bin es nicht wert dass du in mein Haus kommst. Aber Sprich nur ein Wort und mein Knecht wird gesund.
Diese Demut unterscheidet ihn von allen seinen Zeitgenossen, sowohl den Römern als auch den Juden.
Letztere fanden, dass sie das Recht hatten jemanden für wert und unwert zu beurteilen. Der Hauptmann, dessen Namen nicht mal genannt wird, findet, dass er es nicht wert ist, dass er kein Recht hat, etwas von Jesus zu verlangen.
Aber bitten konnte er ihn schon.
Er war ein Mann, der sich als Römer nichts auf sich und seine Frömmigkeit oder Gerechtigkeit einbildete. Dennoch wusste er wer er war. Er war in einer Befehlshierarchie und in der hatte er Autorität, zu befehlen und Gehorsam zu erwarten.
Und so sah er auch diesen Jesus, von dem er hörte.
Aber er muss eine Vorstellung von Jesus gehabt haben, die über das Menschliche hinausging. Kein römischer, griechischer oder jüdischer Arzt, wäre zu dem in der Lage gewesen, was er sich von Jesus erhoffte.
Er hatte den Glauben, dass Jesus in seinem Herrschaftsbereich ebensolche Autorität hatte wie er in seinem eigenen. Und dieser Herrschaftsbereich überstieg „seine Gehaltsstufe“ bei weitem.
Er musste glauben, dass Jesus Autorität hat über die Dinge, über die ein Sterblicher keine Autorität hat, über Krankheit, Tod, Gebundenheit.
Und in dieser Überzeugung bittet er Jesus.
Deshalb sagt Jesus dann auch, dass er in ganz Israel keinen solchen Glauben gesehen hat.
Der Hauptmann war allen seinen Zeitgenossen in diesem Punkt meilenweit voraus. Er sah Jesus offensichtlich als ein Wesen, das über der irdischen Begrenztheit stand und über sie hinaus handeln konnte.
Sprich nur ein Wort, ein Logos. Es ist nicht mal ein Rhema, ein besonderes Wort, ein Wort in eine spezielle Situation. Nein, wenn Jesus Heilung über seinem Knecht aussprechen würde, dann würde das genug sein. Es würde einfach so sein, der Knecht würde gesund sein. Und so geschieht es auch.
Hier verknüpfen sich die Liebe und das Mitleid des Hauptmanns für seinen Knecht mit dem Glauben an einen Großen Gott, der spricht und es geschieht.
Wenn wir wissen, wer wir sind, dass wir aus uns es nicht wert sind, dass Gott uns hilft, und wissen wer Gott ist, dass aber er in seiner unendlichen Größe und Güte gerne hilft und über alle Machtmittel verfügt uns zu helfen, dann werden wir nie eine Bitte umsonst äußern. Mag sein, dass sie nicht immer exakt so beantwortet wird, wie wir uns das vorstellen. Aber sie wird nie ungehört verhallen.
Denn Gott widersteht dem Hochmütigen, aber dem Demütigen gibt er Gnade. Und Johannes sagt, dass wir von dieser Gnade immer und immer wieder nehmen können, weil sie sich nie erschöpft.

Foto von Miguel Á. Padriñán: https://www.pexels.com/de-de/foto/rosa-hintergrund-mit-sprechblase-1111369/