"Wozu, für Wen?"

veröffentlicht in Monatsbrief

Bei all dem, was Menschen tun, stellt sich immer wieder die eine entscheidende Frage: Was ist die Motivation dahinter? Was treibt die einzelnen Menschen an, und den Menschen grundsätzlich?

Neulich sah ich ein Interview mit Michael Collins, den 3. Mann der Apollo 11 Mission, der die Kommandokapsel steuerte, während seine zwei Mitastronauten Armstrong und Aldrin auf dem Mond waren. In diesem Interview sprach er auch von der nächsten Etappe, dem Mars, dass dieser angeflogen werden wird. Gefragt, ob das notwendig sei, meinte er nein. Aber die Menschen würden es dennoch tun, weil sie neugierig seien. Neugierde, Forscherdrang, Abenteuerlust, all das sind unter anderen Gründe, weshalb man etwas tun kann.

Gräbt man tiefer unter diese Motivation, dann hat es etwas mit dem Menschen selbst zu tun. Es hat in vielen Fällen damit zu tun, dass wir uns unserer selbst in gewisser Weise vergewissern wollen, dass wir sind, dass wir eine Spur hinterlassen, dass wir ein Andenken hinterlassen, also jemand sind. Entsprechend dem, was die Menschen beim Turmbau zu Babel taten. Wir tun es für uns selbst – unsere Unsterblichkeit.

Wir tun es mit sterblichen Mitteln und erreichen eine sterbliche Unsterblichkeit, also eine zeitlich begrenzte Erinnerung über unseren Tod hinaus.

Aber, warum tun wir Christen, was wir tun?

Was motiviert uns zu unserem Tun, zu unserem Eifern, und manchmal auch zu unserem Streiten? Worum geht es uns da?

Paulus sagt im Brief an die Kolosser im Kapitel 3 Vers 17 + 23

Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn. … 23 Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen."

In Paulus Aussagen geht es zweimal um Jesus. Wir sollen alles im Namen, in Seinem Auftrag tun und dann in V. 23 sollen wir es um Seinetwillen, also für Ihn tun.

Im ersten Fall fällt alles, was wir tun, auf unseren Auftraggeber, unseren Herrn zurück, in dessen Namen wir es tun, Er ist der Verantwortliche.

Wenn wir als Christen unser Leben in dieser Haltung führen, dann stellt sich immer die Frage: Welches Licht wirft mein Handeln auf meinen Herrn, auf Jesus? Wie steht Er da in der Öffentlichkeit, bei den Menschen?

Wenn ich esse, trinke, rede, handle, Posts in Facebook, Twitter, Whatsapp oder sonst wo absetze, Auto fahre, mich über andere ärgere, schlecht über andere rede, oder Dinge verdreht weiter gebe und damit Unfrieden säe, welches Licht wirft das auf Jesus?

Im Alten Testament sagt Gott zu seinem Volk sinngemäß: „Wegen euch, wegen eures Verhaltens wird mein Name in der ganzen Welt verlästert1.

Jesus vor Augen

Ich habe den HERRN allezeit vor Augen; er steht mir zur Rechten, so wanke ich nicht.
(Ps 16:8)

Deshalb sagt Paulus, sollen wir Jesus bei allem, was wir tun, vor Augen haben. Sodass unser Bemühen stets ist, dass wir das, was wir tun nicht für uns, unser Wohlbefinden (wir werden z. B. von anderen nicht blöd angemacht) für unser Ansehen (die Menschen loben uns) für unsere Karriere (damit wir uns einen Namen machen), unseren Wohlstand (wir haben ausgesorgt) tun, sondern für Jesus, dem wir Ehre machen wollen, damit sein Name groß wird.

Wenn wir so, in unserem Beruf, der Familie und Gemeinde leben würden, dann sind wir davon überzeugt, dass wir ein Klima der Wertschätzung, der Dankbarkeit, der Freude am Erreichten, am Erfolg Anderer hätten, in dem man einander durch Ermutigung und freundliche konstruktive Kritik zu noch besseren Ergebnissen unterstützt.

Es ist ja nicht so, dass wir schon perfekt sind, obwohl wir uns danach ausstrecken sollen vollkommen zu werden.

Deshalb ist bei uns allen noch viel Luft nach oben, das, was wir tun, wie wir leben, immer mehr nach Gottes Willen zu tun.

Die wichtigste Willensäußerung Jesu an seine Jünger ist der Missionsauftrag. „Geht hin, macht zu Jüngern alle Völker, in dem ihr sie tauft und lehrt alles zu beachten, was ich euch befohlen habe.2

Alle anderen Aussagen, Jesu, wie ein Christ, ein Jesus-Nachfolger leben und handeln soll, sind Beschreibungen darüber, wie der Missionsauftrag, in welcher Haltung, unter welchen Umständen, mit welcher Hilfe ausgeführt werden soll. Beispiele hiervon sind:

  • Einer achte den Anderen höher als sich selbst.3
  • Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht!4
  • Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch!5

Für die ersten Christen war dieser Auftrag zunächst auch nicht so zu fassen, weil sie erst aus ihrer kulturellen und auch religiösen Beschränkung herauskommen mussten.

Der Auftrag

Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.(Rom 14:8)

Die einsetzende Christenverfolgung durch die jüdischen Führer, zwang sie, sich von ihrem alten Leben und den damit verbundenen Vorstellungen und Konzepten zu lösen. In der Zerstreuung lernten sie den zentralen Auftrag zu leben und um dessentwillen zu leben.

Wenn wir diesen zentralen Auftrag wieder im Auge haben, und danach alles andere ausrichten, dann sollte jeder für sich Antworten finden auf die praktischen Fragen des Lebens in der Welt und in der Gemeinde.

Kann ich, um des Auftrags willen eine Atemschutzmaske tragen, wenn ich dadurch meinen Auftrag erfüllen kann und Gott vertrauen, dass ich, obwohl es sich nicht gesund anfühlt, doch keinen Schaden davon tragen werde?6

Kann ich, um des Auftrags willen meine Angst, mich anzustecken, überwinden und mein Haus verlassen und Gott vertrauen, dass er mich schützt?

Kann ich, um des Auftrags willen meine persönlichen Ambitionen auf die Seite legen und ohne Eifersucht diejenigen unterstützen, die Gott für eine Sache besonders berufen oder begabt hat?

Kann ich, um des Auftrags willen, wenn Jesus dies von mir verlangt, in die 2 Reihe treten, um jemanden anderen, der für die Erfüllung des Auftrags besser geeignet ist, die Verantwortung übernehmen lassen?

Kann ich mich, um des Auftrags willen in Verantwortung rufen lassen und mein Lebenskonzept oder Lebensplan überdenken?

Kann ich, um des Auftrags willen meine Verletzungen und Enttäuschungen loslassen, denen Vergeben, die mir das angetan haben und auf Vorhaltungen und Unversöhnlichkeit verzichten und die Einheit und Gemeinschaft wieder suchen?

Die Reihe dieser Fragen ließe sich beliebig fortsetzen.

Jeder von euch, der diese Frage aufmerksam liest, wird feststellen, dass sie uns unter die Haut gehen, denn es geht gegen unseren Stolz, gegen unsere Sehnsucht, auch Jemand sein zu wollen, auch eine Bedeutung haben zu wollen und es tut weh, diese Entscheidung zu treffen.

Die Bedingung

Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.
(Gal 2:20)

Deshalb sagt Jesus seinen Zuhörern:

Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“7

Mit jeder einzelnen Entscheidung um Jesu willen zu leben, zu handeln, zu reden und zu schweigen, sich die Maske umzubinden, sie abzunehmen, das Haus zu verlassen, die Gemeinschaft aufzusuchen, zu vergeben und Vergebung zu suchen, die Wahrheit in Liebe zu sagen und sie nicht um der Menschen willen zu verschweigen und vielen weiteren Entscheidungen, die sich nach diesem Satz richten, alles für Jesus und um Jesu willen zu tun, bedeutet ein weiteres Sterben des alten Menschen in uns.

Die Neuzeit hat in ihrer schonungslosen Abkehr vom Glauben an Gott die Konsequenz gezogen und das, was der unerlöste Mensch schon immer wollte und auch tat, in Worte gefasst, die uns heute wie selbstverständlich über die Lippen gehen. Wir reden von „Selbstverwirklichung“. Und dieses „Konzept für ein Leben ohne Gott“ hat auch in den Gemeinden Eingang gefunden.

Aber es ist nicht biblisch. Jesus sagt es: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sein Selbst. Selbstverwirklichung und Selbstverleugnung sind absolut inkompatibel.

Es mag für den einen oder anderen nun eine grundsätzliche Entscheidung fällig sein. Und wir bitten dich diese Entscheidung gut zu überlegen und dann zügig zu treffen.

Wir wünschen uns, dass du dich mit uns entscheidest, alles was wir tun mit Worten oder mit Werken, im Namen Jesu und um Jesu willen zu tun und nicht für uns oder für Menschen.

Wenn wir das tun, brauchen wir uns um die Menschen, um die wir uns sorgen würden, nicht mehr sorgen, denn Jesu Willen und Wollen schließen sie mit ein.

Wenn wir alles, was wir tun, um Jesu willen tun und in Seinem Auftrag, also Seinen Auftrag immer im Blick haben, dann wird Jesus durch uns Sich auch um die Menschen kümmern, die uns am Herzen liegen.

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1Röm 2:24 Denn »euretwegen wird Gottes Name gelästert unter den Völkern«, wie geschrieben steht (Jesaja 52,5).

2Matthäus 28:19+20

3Phil 2:3

4Phil. 4:8

5Math. 7:12

6Vom Impfen möchte ich hier nicht schreiben, da es dafür noch keine allgemeine Pflicht gibt.

7 Markus 8:34