"Ihr könnt alle prophezeien“

veröffentlicht in Monatsbrief

Wenn man seine Bibel liest, dann kommen immer wieder Propheten vor. Menschen die offensichtlich in einer besonderen Beziehung zu Gott stehen, insbesondere im alten Testament. Aber was ist die Aufgabe dieser Propheten eigentlich?

Sie sollen den Menschen, das weitergeben, was ihnen von Gott zu sagen aufgetragen war. Dabei riskieren sie nicht selten ihre Gesundheit und ihr Leben.

Der größte Prophet des Alten Testamentes war ganz offensichtlich Mose.

Oft waren mit den Worten auch entsprechende Handlungen verbunden, um das von Gott geoffenbarte Wort in die Tat umzusetzen. Insofern sind auch die Erzväter des Volkes Israel Propheten, denn sie hörten, dass alles Land, auf dem sie mit ihren Herden wandern würden, ihnen und ihren Nachkommen gehören würde. Und sie taten exakt das, was Gott von ihnen erwartete.

Die Propheten, die Gott berief, nachdem das Volk in sein Land gekommen war, hatten sehr oft den Auftrag, das Volk Gottes wieder zu ihrem Gott zurückzubringen. Sie waren in gewisser Weise Erweckungsprediger, die Gericht und Gnade predigten. Die dem Volk aufzeigten, dass ihre missliche Situation, in der sie sich befanden, eine Folge ihres Ungehorsams Gott gegenüber war und sie umkehren sollten, wenn sie wollten, dass es ihnen wieder besser ging.

Die Propheten des alten Testamentes unterlagen der absoluten Worttreue Gott gegenüber. Sie durften nichts sagen, was Gott ihnen nicht aufgetragen hatte.

Das war sogar bei einem Propheten der Fall, der von den Feinden Israels gekauft worden war, das Volk Israel zu verfluchen. Selbst er, Bileam, konnte nur das sagen, was Gott ihm erlaubte.

Wenn Propheten etwas anderes sagten, sollten sie gesteinigt werden.1 Denn alles, was nicht Gottes autorisiertes Wort war, würde die Menschen vom Weg mit Gott abbringen.

Mose spricht davon, dass Gott einen Propheten wie ihn erwecken werde, auf den solle das Volk hören2, und tatsächlich: dieser Prophet kam in der Gestalt des Messias Jesus, des Sohnes Gottes.3

Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, (Eph. 4:11+12)

Wenn man die Schriften des neuen Testamentes anschaut, dann sind es nicht nur Berichte und Lehrtexte, sondern auch prophetische Texte. Die Offenbarung des Johannes ist ein durch und durch prophetisches Buch, das im Auftrag Jesu aufgeschrieben wurde um zu zeigen, was noch kommen wird und wie dies hinter den irdischen Kulissen in der unsichtbaren Welt aussieht.

Manche sind der Meinung, dass mit dem Abschluss des neutestamentlichen Kanons die Dienste des Propheten wie die des Apostels aufgehört haben; die anderen Dienste (Hirte, Lehrer, Evangelist) aus Epheser 4 scheinbar nicht.

Andere verneinen selbst diese.

Wenn also diese Dienste ausgestorben seien, dann gelte dies auch für die Gaben, die in 1.Kor. 12+14 und Römer 12 genannt sind.

Als Ältestenschaft und Gemeinde vertreten wir diesen Standpunkt nicht. Wir sind der Meinung, dass es auch heute noch diese Dienste und Gaben gibt, weil das, was sie bewirken sollen, in jeder Generation neu erreicht werden muss: Die Auferbauung zum Erwachsenwerden des Gläubigen und die Zurüstung der Gemeinde zum Dienst.4

Daher wollen wir sowohl die prophetischen Gaben wie den prophetischen Dienst in unserer Gemeinde freigesetzt sehen.

Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir.“
(Joh 10:27)

In 1.Kor. 14 spricht Paulus davon, dass wir alle prophezeien können.

Wie kommt er darauf?

Weil jeder die Stimme Jesu hören und jeder das, was er gehört hat, an andere weiter geben kann. Das ist Prophezeien im allgemeinsten Sinn.

Ist es wirklich wahr, dass jeder Jesu Stimme hören kann?

Definitiv!

Jesus sagt: „Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben“.5

Wenn das wahr ist, dann kannst du, wenn du Jesus gehörst, Seine Stimme hören und kannst das, was Er dir sagt, wenn es für andere ist, ihnen auch weitergeben.

Welche Regeln gibt es für dieses Prophezeien?

  1. Es muss dem Leibe Jesu dienen und ihn aufbauen.
  2. Es darf dem, was die Schrift lehrt, nicht widersprechen.

Sind die Anforderungen dieselben wie die im alten Testament?

Und sind die Konsequenzen dies ebenso?

Für ersteres gilt: Wir sollen versuchen, so gut hinzuhören wie wir können, um es so genau wie möglich weiterzugeben.

Aber diejenigen, die es hören, sollen es prüfen am Wort Gottes. Und das wird oft auch getan.

Was ist dann dieses prophetische Reden?

Es sind oft Worte der Ermutigung, der Zurechtweisung und der Richtungsweisung.

Welches Gewicht haben sie?

Sie haben mit Sicherheit ein geringeres Gewicht als eine Lehre.

Lehrer tragen eine besondere Verantwortung für ihre Lehre und werden auch entsprechend zur Rechenschaft gezogen.6

Paulus sagt den Galatern, dass, wenn jemand kommt und ein anderes Evangelium predigt als das, was er ihnen gebracht hat, dass dieser Lehrer verflucht sein soll.7

Wir finden solche starke Aussagen nicht in Bezug auf Propheten und Prophetien.

Für Prophetien gilt, dass sie von allen geprüft werden sollen, da jeder von uns Jesus hören kann, jeder von uns den Heiligen Geist hat, um von ihm im Beurteilen geleitet zu werden.

Wir haben es bei Prophetien oft am Anfang mit Bildern und bildhaften Eindrücken zu tun, deren Bedeutung ausgelegt und entweder auf Einzelne, Gruppen oder Gemeinden angewandt wird.

Wer eine Prophetie weitergibt, tut einen Botendienst. Was der Empfänger mit der Prophetie anfängt, bleibt demjenigen überlassen. Der prophetisch Redende hat seinen Teil erfüllt.

Manchmal gebrauchen Propheten auch Beispielsituationen oder Personen aus der Bibel, um einen Punkt etwas deutlicher zu machen.

Stellt der prophetisch Redende damit den Empfänger auf dieselbe Stufe oder in dieselbe Kategorie wie die des Beispiels?

Wohl kaum! Auch wenn wir selbst oft genug biblischen Vorbildern nacheifern wollen, so sein wollen wie sie - was ja auch gewollt ist.8

Paulus redet davon, dass wir stückweise erkennen und stückweise prophezeien.9 Insofern müssen wir uns der Begrenztheit bewusst werden.

Wenn wir also prophetische Eindrücke weitergeben, ist es wichtig, uns selbst nicht zu wichtig zu nehmen; wir sind nur die Boten. Und es ist wichtig, dass wir auch an den Worten „feilen“: Ist das, was ich den Eindruck habe sagen zu sollen, durch das Wort Gottes abgedeckt? Was könnte missverständlich dabei herauskommen?

Wenn Begriffe eine biblisch sehr eindeutige Zuordnung gefunden haben, dann sollten wir mit ihnen vorsichtig umgehen.

So ist zum Beispiel der Begriff „Mittler“ in einer Prophetie in einem unserer Gottesdienste gefallen. Dieser ist jedoch sehr stark mit Jesus verbunden10, der der „Mittler“ des neuen, besseren Bundes ist, dadurch, dass er sich zum Lösegeld für uns machte11. Ein weiterer nicht namentlich genannter, aber nicht weniger bekannter Mittler ist der des Gesetzes12, womit offensichtlich Mose gemeint ist.

So ist der Begriff „Mittler“ belegt, auch wenn er ursprünglich meint, dass das jemand ist, der dazwischen geht, der vermittelt, der zwischen Zweien hin und her geht um Botschaften etc. zu übermitteln.

Wenn man also einen solchen Sachverhalt meint, muss man es umschreiben, wenn man nicht zu falschen Vorstellungen eines irdischen Mittlers zwischen Gott und Mensch (wie im Papst-Verständnis), Anlass geben will.

In der Regel kennen wir einander und wissen, wie es der andere meint.

Aber da wir z.B. unsere Gottesdienste öffentlich machen, kann es durch falsch gebrauchte Begriffe zu Irritationen bei Leuten kommen, die wir nicht kennen und die uns eben auch nicht so gut kennen.

Wir haben diesen Brief nicht geschrieben, weil wir prophetisches Reden verhindern, sondern weil wir es freisetzen wollen.

Wenn ihr bei einem Eindruck nicht sicher seid, wie ihr ihn formulieren sollt, dann holt euch Hilfe, fragt andere, die schon mal prophetische Eindrücke weiter gegeben haben, fragt eure Ältesten. Lasst euch ermutigen mehr von Gott hören zu wollen und bittet Ihn darum, mehr von Ihm zu bekommen, um darin geübter zu werden.

Man kann ja anfangen, Gott zu fragen: Gott was denkst du über mich? Wie siehst du mich?

Wenn du dem Heiligen Geist Raum gibst, wird Er mit dir reden und du wirst dein „prophetisches Ohr“ immer mehr schärfen.

Wenn man das tut, dann ist es gut, wenn man in einer Zweierschaft darüber reden kann, um sich nicht in den eigenen Gedanken und im eigenen Wunschdenken zu verlieren.

Dieses Gebet „Gott wie siehst du mich?“ ist immer wieder meins. Denn ich will wissen, was Gott über mich denkt, wie Er mich sieht, wo Veränderung nötig ist.

Wenn ich dieses Gebet gesprochen habe, dann nehme ich einen Stift und ein Blatt und beginne zu schreiben, was mir in den Sinn kommt und ich merke, Gott spricht in meine Gedanken hinein.

Ich wäre ohne Gottes prophetisches Reden zu mir nicht da, wo ich jetzt bin. Es waren prophetische Worte, die ich persönlich für mich gehört habe und es waren prophetische Worte, die mir von anderen weitergegeben wurden.

Im letzteren Fall habe ich Gott gegenüber darauf bestanden, dass Er sie wiederholt, weil ich sicher sein wollte, dass es auf zweier oder dreier Propheten Mund bestehe13.

Prophetische Worte unter dem Vorbehalt der Verschwiegenheit, sollten wir nicht annehmen, denn sie können nicht geprüft werden, wenn wir dazu Hilfe bräuchten. Denn vergessen wir nicht: Prophetie baut zuallererst die Gemeinde, sie dient der Gemeinde. Prophetische Worte, die uns aus einer biblisch fundierten und Seinen Willen suchenden Gemeinde herausführen, dienen nicht der Gemeinde. Sie zerstören Gemeinde. Prophetische Worte, die nicht dem Leib Jesu dienen, die spalten und trennen, bauen nicht den Leib Jesu.

Wir wollen uns alle danach ausstrecken, dass Gott durch Seinen Heiligen Geist in uns prophetische Worte entstehen lässt, die Seinen Leib bauen, dem Auftrag des Leibes dienen, diese Welt mit der guten Botschaft von der Rettung und Erlösung durch Jesus Christus zu erreichen.

Wir laden dich ein, sei an der Gemeindekonferenz dabei und lass dich von Gott gebrauchen, zu dir und anderen unter uns und uns allen zu reden.

 

Eugen, David, Jürgen und Thomas

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1 5.Mo 13:6

2 5. Mose 18:15;

3 Mt 12:41; Mt 12:42; Lk 11:31; Lk 11:32; Hebr.1:2

4 Eph. 4:11ff

5 Joh. 10:27

6 Jak. 3.1

7 Gal. 1.8+9

8 Phil. 3:17

9 1.Korr. 13:9

10 Heb 12:24; Heb 8:6; Heb 9:15

11 1.Tim 2:5+6;

12 Gal 3:19 + 20;

13 2.Korr. 13:1; Matth. 18:16