Bist du unten angekommen?

veröffentlicht in Sonntagsblog

Jesus sagt: „Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ Luk 19:10

Gelegentlich hört man den Begriff „failed state“, das bedeutet, dass ein Staat völlig zugrunde gegangen ist, dass sich keinerlei staatstragenden Institutionen mehr erkennen lassen und dass Gesetzlosigkeit herrscht.
Manche Staaten, auch im Westen, sind auf dem Weg dahin, weil sie immer mehr fraktioniert werden, d.h. in ethnische und kulturelle Gruppen zerfallen, die nichts mehr miteinander zu tun haben, die Parallelgesellschaften bilden, die nach eigenen Regeln leben, und früher oder später ein Kulturkrieg und danach ein Bürgerkrieg ausbricht.
Manche Menschen haben eine „failed existence“. Ihr Leben ist desintegriert, oft psychisch krank, ihre Beziehungen, ihr wirtschaftliches und soziales Fundament zerbrochen und dem Leben entwurzelt. Sie passen zu dem Begriff „verloren“: Ihr Leben, ihre Zukunft, ihre Seele verloren, kaputt, zerstört.
Solche Menschen zu suchen und zu retten war und ist Jesus gekommen. Der „blinde Bartimäus“, „der Bettler an der schönen Pforte“, „die ausgestoßene Samaritanerin“, „die Ehebrecherin“ und wie sie alle im neuen Testament genannt werden. Sie alle qualifizierten für diese Suche, fürs gefunden werden und fürs gerettet werden.
Aber was ist dann mit denen, deren Existenz nicht so offensichtlich kaputt ist?
Jesu Nachfolger waren 4 Fischer. Sie hatten ein angesehenes Gewerbe und hatten Familien.
Die hatten doch Jesus und seine Rettung nicht nötig. Die waren doch OK?
Denkt man.
Aber jeder von ihnen hatte seine Mördergrube im Herzen. Deshalb sagte Petrus nach dem wunderbaren Fischzug, bei dem zur ungünstigsten Fischfangzeit, durch Jesu Wirken, sich die Netze füllten und die Bote zu sinken drohten: „Geh von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch.“
Petrus mag bis zu diesem Zeitpunkt von sich gemeint haben, dass er ein anständiger, gerechter Kerl ist, dem niemand etwas vorwerfen kann. Aber als Jesus in sein Leben trat, und die Gegenwart des Reiches Gottes spürbar war, da änderte sich seine Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung.
Wenn der allein Heilige, Jesus Christus, in ein Leben hineintritt, dann kann kein Mensch mehr von sich sagen: Ich bin gerecht, ich brauche dich Jesus nicht, ich brauche deine Rettung nicht.
Du magst dich immer noch als gerecht empfinden, als gut, als liebevoll, das Gute und Edle nicht nur wollend, sondern auch umsetzend.
Und dennoch wirst du, wenn Jesus in dein Leben tritt erkennen, dass du nackt da stehst und nichts vorzuweisen hast.
Dein ökologisches Gewissen wird dir nichts nützen. Dass du politisch immer auf der richtigen Seite gestanden hast, wird er nicht gelten lassen, dass du dich für die Minderheiten, die Unterdrückten, die Ausgegrenzten und die ganzen LGBTQXYZ Identitäten eingesetzt hast, wird er zurückweisen.
Denn seine Heiligkeit wird offenbar machen, dass dein ganzes Leben ein Leben der Rebellion und der Selbsterlösung war.
Du wirst wie Petrus noch nicht einmal mit Jesus diskutieren. Du wirst es selbst erkennen. Und wenn du es erkennst, dann verstecke dich nicht wie Adam und Eva, als sie ihre Sünde erkannten. Dann sage zu Jesus: Ich weiß, ich bin ein sündiger Mensch. Bitte schenke mir deine Gnade und dein Erbarmen, denn ich bin verloren.

Das Verlorene will ich suchen und das Versprengte zurückbringen, und das Gebrochene will ich verbinden, und das Kranke will ich stärken; das Fette aber und das Starke werde ich austilgen; mit ‹meinem› Recht werde ich sie weiden.
Hes.34:16

Bist du schon unten angekommen, wie der verlorene Sohn, der in Rebellion vom Vater weggegangen ist, sein Erbe mit sich nahm und es verschwendete, bis dass er zum Bettler und Landstreicher wurde und nicht tiefer Sinken konnte.
Du musst das nicht erleben, um dich vor dem lebendigen Gott zu demütigen und zu sagen: Ich habe vor dir gesündigt.
Die biblische Geschichte des verlorenen Sohnes macht deutlich, dass der himmlische Vater uns liebend gerne in seinen Arm schließt.
Aber die Erkenntnis, Verlorenheit und der Erlösungsbedürftigkeit ist Voraussetzung dafür, dass wir das Geschenk der Gnade wirklich annehmen können.

Foto von Thiago Matos : https://www.pexels.com/de-de/foto/spiegelfragmente-auf-grauer-oberflache-mit-der-reflexion-des-armes-einer-person-3022456/