Alter und Würde!
veröffentlicht in Sonntagsblog
Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon. Psalm 90,10
Die Begrenztheit des menschlichen Lebens ist mehr als offensichtlich in unserem Vers. Heute ist 90 das frühere 80 und manche schaffen es noch älter zu werden. Ob das immer ein Segen ist können nur diejenigen beurteilen, die in den Genuss dieses hohen Alters kommen.
Vor kurzem war die Diskussion im Gange um eine Anwärterin auf eines der höchsten deutschen Richterämter. Darin war ein Element der Diskussion ihre Relativierung der menschlichen Würde, die eben nicht mehr grundsätzlich dem menschlichen Wesen gilt, sondern seinem ihm zugemessenen Wert, der sich je nach Lebensalter definiert. Und wenn das menschliche Wesen, ihrer Meinung nach, im Mutterleib erst allmählich oder vielleicht sogar erst ausserhalb des Mutterleibes die Menschenwürde zuerkannt wird, wie ist es dann, wenn es auf das Lebensende zugeht. Müssen wir da nicht genauso erwarten, dass je kränker umso hilfloser, desto weniger Wert und desto weniger Würde da zugemessen wird?
Da ist es dann fraglich, ob man so alt werden will, dass man ein Alter erreicht, in dem einem die Menschenwürde abgesprochen wird und man entsorgt werden kann, wie dies mit den Babies geschieht.
Der obige Vers scheint vordergründig eher pessimistisch. Aber schaut man sich den Vers im Kontext der ganzen Schrift an, so stellt man fest, dass er von Mose geschrieben wurde, der selbst 120 Jahre alt wurde. Er schreibt aber diesen Psalm über eine Generation, die in der Wüste bleibt, die dort stirbt, weil sie Gott ungehorsam war, rebellierte und die Frucht ihrer Rebellion, das Gericht nun erlebt. Denn Gott hatte gesagt, dass keiner von denen, die er aus Ägypten führte und die sich kurz vor der Landnahme gegen ihn aufgelehnt hatten, in das Land, das sie nicht einnehmen wollten, weil sie sich vor den Risiken fürchteten und es daher verschmähten, hineinkommen würden.
Mancher von unseren Zeitgenossen verschmäht das Reich Gottes, die Hoffnung auf die Ewigkeit, weil sie ihm unbekannt ist und weil sie eben auch Gehorsam gegenüber dem bedeuten würde, der der Herr dieses Reiches und dieser ewigen Zukunft ist. Und dann bleibt ihnen nur zu warten und iregendwann zu sterben. Und so viel wie möglich hier auf Erden zu erleben und nichts zu verpassen, denn für sie gibt es nur das Hier und Jetzt.
Aber unser Vers sagt: Es ist alles sehr vergänglich, es „ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fahret schnell dahin, als flögen wir davon.“
Das ist die Realität, je älter man wird, um so schneller verfliegt das Leben und alles was man geschaffen zu haben glaubt.
Man bereitet sich auf eine kleinere Wohnung vor, man will den Kindern und Enkeln nichts hinterlassen, was ihnen zur Last wird. Deshalb wird vieles, was ein halbes Leben lang wichtig schien, immer unwichtiger, bis man es in die Tonne tritt.
Vor Jahrzehnten konnte man die Alten nicht schnell genug aus dem Arbeitsleben aussortieren, jetzt sollen sie möglichst bis zu ihrem Ableben arbeiten, weil sie sonst den immer weniger werdenden Arbeitenden auf der immer leerer werdenden Tasche liegen.
Es ist also ein Kreuz mit dem alt werden, auch wenn man daran denkt, dass nach einem langen Arbeitsleben noch nicht mal mehr die Hälfte des Lohnes als Rente übrig bleibt, von der man dann noch die Krankenkassenbeiträge und die auf die Rente entfallende Steuer abdrücken darf. Für viele ist es zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben.
Wer will da dann noch lange leben?
Paulus sagt:
»Christus möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung.«
Philipper 3,10
Das ist in all dem, was wir übers Alter sagen können, die einzige Komponente, die nur Christen haben. Sie kennen Christus, der von den Toten auferstanden ist und damit deutlich gemacht hat, dass das irdische Leben eben nicht das Einzige ist, das es gibt. Und Jesus Christus lädt uns ein in seine Fußstapfen zu treten, mit ihm zu sterben und mit ihm in einem Zustand ewig zu leben, der über all das, was wir hier an Schönem und Begehrenswerten erleben, unendlich weit hinaus geht.
Er will uns ein Leben in der Ewigkeit schenken, in dem wir uns keine Sorgen um den nächsten Tag machen müssen, uns kein Leid, kein Schmerz, kein Geschrei, kein Tod, keine Krankheit mehr schrecken. Ein Leben in der ewigen Gemeinschaft mit dem Gott, der uns erschaffen hat und uns deshalb am besten kennt, dem wir nicht fremd sind und der uns nicht fremd sein wird.
Er hat uns mit einer ewigen Würde ausgestattet, die uns nicht genommen werden kann, denn er hat uns geschaffen und er hat uns mit seinem eigenen Blut erlöst.
Wenn wir das begriffen haben und ergreifen, dann kann uns hier die zunehmende menschliche Kälte und Lieblosigkeit, die brutale Rechnerei über die Rentabilität menschlichen Lebens nicht mehr schrecken.
Aber wehe denen, die Gott in solchem Denken und Tun antrifft, die nicht Buße tun, bevor Jesus Christus ihrem Leben ein Ende macht oder wieder kommt.