Wenn Gott nicht mehr mitmacht

veröffentlicht in Sonntagsblog von Eugen

Ach, Herr, du großer und schrecklicher Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! Wir haben gesündigt und Unrecht getan. Daniel 9,4-5

Als neutestamentlich Gläubige lesen und hören wir die Texte durch die Brille des neuen Testamentes und das ist gut so. Als Christen, die in der westlichen, individualistischen Kultur aufgewachsen sind, lesen wir sie durch die Brille des Individualismus. Es geht zunächst immer und ausschließlich um uns als Einzelne.

Aber was ist eigentlich das Verständnis der Schrift? Was war das Verständnis von Daniel, der das Gebet in der heutigen Tageslosung nieder schrieb?

Wir haben gesündigt Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden; wir sind von deinen Geboten und Rechten abgewichen. (Dan. 9:5)

Er war in Babylon, ein Jude, der eigentlich im Land Juda sein sollte. Aber er war ein Kriegsgefangener, einer der vielen Verschleppten. Und warum war er dort in Babylon?

Weil sein Volk, seine Vorfahren so sehr gegen Gott gesündigt hatten, dass sich das Gericht Gottes über diesem, seinem Volk durch nichts mehr abwenden ließ.

Er und seine Genossen erkannten in der Verbannung, dass sie bzw. ihr Volk Gott so sehr gereizt hatten, dass Er nicht mehr anders konnte.

Womit hatten sie Ihn gereizt?

Damit, dass sie den allein lebendigen Gott, den Gott der Bibel verließen und anderen Göttern dienten. Damit, dass sie diesen Göttern und Götzen alles opferten, sogar ihre Kinder. Damit, dass aus ihrer Gottlosigkeit die ganze restliche Gesetzlosigkeit kam, Korruption, Ausbeutung, Ungerechtigkeit, Verwahrlosung, Unmoral.

Wenn Daniel von dem großen, schrecklichen Gott sprach, dann meinte er den Gott, der da nicht mehr mitmachte.

Und ich wandte mein Gesicht zu Gott dem Herrn, um zu beten und zu flehen mit Fasten in Sack und Asche. (Dan 9:3)

Wie lange wird Gott dem Treiben unserer Zeit, unserer Gesellschaften noch zusehen?

Als Christen in der Regiogemeinde mögen wir an dem Treiben wenig bis gar nicht beteiligt sein. Aber dadurch haben wir nicht weniger Verantwortung. Wir sehen, was läuft. Erheben wir die Stimme? Erheben wir sie, wenigstens zu Gott und schreien zu Ihm um Gnade und Erbarmen für unser Volk? Gott hat dem Treiben des dritten Reiches zugesehen. Aber Sein Gericht kam. Daniel hat Gott nicht aus der Geschichte verbannt, wie es die modernen Christen tun. Daniel wusste von Gottes Handeln in der Geschichte und er wusste, dass Gott daran erinnert werden kann. Deshalb liest er im Buch des Propheten Jeremia von den 70 Jahren, und weiß, dass diese bald vorbei sind. Und er erinnert Gott an Sein Versprechen. Was tun wir in unserer Situation?

Eugen