"Social distancing?"

veröffentlicht in Monatsbrief von Eugen

Man kann‘s schon lange nicht mehr hören. Und dennoch beschäftigt es uns weiterhin. Und es ist auch immer wieder Grund, dass es zu Meinungsverschiedenheiten kommt. Wir wollen uns nicht zu den Unterschiedlichkeiten der Betrachtungsweisen in dieser Situation äussern. Wir wollen mit euch einen Blick in die Vergangenheit wagen, denn das, was wir erleben, gab es immer wieder auch in der Zeit der noch relativ jungen christlichen Kirche.

Dionysius, Bischof von Alexandria, schreibt über die Zeit der Plage von 249-262:

"Die meisten unserer Mitchristen zeigten grenzenlose Liebe und Loyalität, verschonten sich nie und dachten nur aneinander. Unbekümmert um die Gefahr nahmen sie sich der Kranken an, kümmerten sich um alle ihre Nöte und dienten ihnen in Christus, und mit ihnen verließen sie dieses Leben in heiterem Glück; denn sie wurden von anderen mit der Krankheit angesteckt, zogen die Krankheit ihrer Nächsten auf sich und nahmen ihre Schmerzen freudig auf sich.

 

So, in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser eigenes Leben mitzuteilen, weil ihr uns lieb geworden wart. ( 1.Thess 2:8)

 

Viele, die andere pflegten und heilten, übertrugen ihren Tod auf sich selbst und starben an ihrer Stelle. Die besten unserer Brüder verloren auf diese Weise ihr Leben, eine Reihe von Presbytern, Diakonen und Laien errangen hohe Anerkennung, so dass der Tod in dieser Form, das Ergebnis großer Frömmigkeit und starken Glaubens, in jeder Hinsicht dem Martyrium gleichkommt".

Im Gegensatz dazu verglich er die Reaktion der Nichtchristen der damaligen Zeit und sagte

"Die Heiden verhielten sich genau umgekehrt. Beim ersten Ausbruch der Krankheit stießen sie die Betroffenen weg und flohen vor ihren Liebsten, warfen sie auf die Straße, bevor sie tot waren, und behandelten die nicht begrabenen Leichen wie Dreck, in der Hoffnung, dadurch die Ausbreitung und Ansteckung der tödlichen Krankheit zu verhindern...". 1

Im vierten Jahrhundert gab es wiederum eine Plage. Zu der ist zu lesen:

Was sich während der Epidemien abspielte, war nur eine Intensivierung dessen, was jeden Tag unter den Christen vor sich ging... In der Tat war die Wirkung der christlichen Barmherzigkeit so offensichtlich, dass der Kaiser Julian im vierten Jahrhundert, als er versuchte, das Heidentum wiederherzustellen, das heidnische Priestertum ermahnte, mit den christlichen Wohltätigkeitsorganisationen zu konkurrieren.

Laßt uns also nun, wie wir Gelegenheit haben, allen gegenüber das Gute wirken, am meisten aber gegenüber den Haus-genossen des Glaubens!
(Gal 6:10)

In einem Brief an den Hohepriester von Galatien drängte Julian2 auf die Verteilung von Getreide und Wein an die Armen und bemerkte, dass "die gottlosen Galiläer [Christen] zusätzlich zu ihren eigenen die unseren unterstützen, [und] es ist beschämend, dass unsere Armen unsere Hilfe nötig haben". Aber es gab wenig oder gar keine Reaktion auf Julians Vorschläge, weil es keine Lehren und keine traditionellen Praktiken gab, auf denen der heidnische Priester aufbauen konnte.... Die Christen glaubten an das ewige Leben. Heiden glaubten höchstens an ein unattraktives Leben in der Unterwelt. Es hätte daher für Galen weitaus mehr Mut erfordert,3 in Rom zu bleiben, um die Betroffenen während der ersten großen Pest zu behandeln, als für die christlichen Diakone und Presbyter, um dies zu tun. Der Glaube zählte.“4

 

führt euren Wandel unter den Nationen gut, damit sie, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, aus den guten Werken, die sie anschauen, Gott verherrlichen am Tage der Heimsuchung!. (1Pe 2:11-12)

 

Kirchengeschichtler sind sich einig: Das Christentum erlebte, neben dem mutigen Bekenntnis mit der Bereitschaft zum Martyrium, gerade auch durch den praktisch gelebten Glauben besonders in diesen Zeiten der allgemeinen Not seine beispiellose Ausbreitung.

Wir grüßen euch mit 1.Petr. 2:11-12 Geliebte, wir ermahne euch als Beisassen und Fremdlinge, daß ihr euch der fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten, enthaltet, und führt euren Wandel unter den Nationen gut, damit sie, worin sie gegen euch als Übeltäter reden, aus den guten Werken, die sie anschauen, Gott verherrlichen am Tage der Heimsuchung!

 

 

Eure Eugen und Jürgen

 

 

 

1 “The Rise of Christianity” by Rodney Stark (p.76ff)

2Flavius Claudius Iulianus war von 360 bis 363 römischer Kaiser

3Ein bekannter römischer Arzt der damaligen Zeit

4The Triumph of Christianity: How the Jesus Movement Became the World’s Largest Religion, Rodney Stark