Einander tragen

veröffentlicht in Sonntagsblog von Eugen

Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Galater 6,2

 

Wenn der normale Zeitgenosse das Wort Last hört, dann denkt er an die „Steuerlast“ die „Schuldenlast“ vielleicht noch an den „Lastenausgleich“. Und das sind alles letztlich Dinge, die dieser Zeitgenosse nicht unbedingt mit positiven Gefühlen verbindet, weil er findet: Das geht alles zu meinen Lasten.

 

Und dann kommt dieser Vers daher und fordert von uns, dass wir die Lasten der Anderen tragen sollen. Und der Zeitgenosse sagt: „Das tun wir doch schon die ganze Zeit und auch noch ohne gefragt zu werden. Geht es den Christen auch nur um mein Geld, darum, mich auch da noch um mein Erspartes, Verdientes, sicher geglaubtes Kostbares zu erleichtern?“

 

Keine Sorge, das ist nicht Absicht dieses Verses. Es geht darum, dass wir miteinander bereit sein müssen, die durch unsere Schuld und unsere Versagen entstandenen Lasten gemeinsam zu tragen. Schuld – und wir werden alle schuldig - hat immer Konsequenzen. Und die wirken sich nicht nur im Leben des Schuldiggewordenen aus.

 

Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit;
(1 Co. 12:26)

 

Denn wenn in der biblischen Gemeinde jemand leidet, dann leiden alle anderen mit. Das bleibt nicht aus. Denn wir sind mehr als ein Verein. Wir sind tatsächlich eine Körperschaft, eine geistliche Körperschaft, wo sich das Leid und der Schmerz, die einer empfindet, im ganzen Körper bemerkbar machen.

 

Und das ist gut so, denn das zeigt, dass der Körper noch intakt ist, die Nerven noch funktionieren. Schlecht ist, wenn wir den Schmerz des anderen, seine Traurigkeit, seine Scham, sein Leid, seine Sorgen, seine Ängste und auch seine Hoffnungen nicht mehr wahrnehmen.Denn dann ist entweder er oder wir schon abgestorben und haben die Verbindung zum Körper verloren.

 

Insofern ist das Tragen der Last des anderen eine mit der Existenz des in den Leib Jesu geborenen Christen verbundene Begleiterscheinung.

 

Dies ist mein Gebot, daß ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe.
(Joh 15:12 )

 

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein. Und doch hebt Paulus das Selbstverständliche hervor, um uns daran zu erinnern, es nicht nur gezwungenermaßen, sondern von Herzen gerne zu tun.

 

Im praktischen Bereich sehen wir schnell, wie wichtig das ist. Ein von vielen durchgeführter Umzug, ein mit vielen Helfern realisiertes Fest, eine von vielen umgesetzte Baumaßnahme, all das kann für den Einzelnen zu einem schönen Erlebnis werden, weil die Last dabei gering ist.

 

Traumatisch wird es, wenn man mit seiner Last alleine gelassen wird, obwohl viele sie sehen oder von ihr wissen. Ersparen wir einander ein solches Trauma und tragen miteinander seelische wie äußerliche Lasten! Dein Eugen