"Ein stummer Held"

veröffentlicht in Monatsbrief von Eugen

Weihnachten steht vor der Tür und wir schauen, natürlich, auf die zentrale Person des Weihnachtsgeschehens, auf Jesus. Schließlich feiern wir da die Mensch-werdung des ewigen Sohnes Gottes. Das ist auch wichtig und richtig, denn wir glauben nicht, dass Jesus erst durch Seine Menschwerdung und dann durch die öffentliche Anerkennung bei Sei-ner Taufe zum Sohn Gottes wurde.

Jesus ist der Held Gottes, der in die Welt kommen sollte und kam.

Jesu Kommen zeigt uns noch andere Helden: Seine Mutter, die das unglaubliche annahm: Ein übernatürlich entstandenes Kind auszutragen und seine Mutter zu werden.

Aber da gibt es noch einen stummen Helden in der Weihnachtsgeschichte, und der ist nicht Zacharias, der Onkel Jesu. Es war Joseph, von dem wir kein einziges Wort hören.

Wir wissen, dass er sich überlegt, Maria zu entlassen, also die Verlobung aufzulösen.

Aber das ist alles. Ansonsten wissen wir nur, dass ein Engel ihm mehrfach erschien, um ihm Anweisungen in Bezug auf Maria und Jesus zu geben.

dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. (Mat 6:4)

Er sollte Maria nicht entlassen, er sollte nach Ägypten fliehen und er sollte nach Israel zurückkehren, nachdem Herodes gestorben war.

 

Das waren alles lebensentscheidende Anweisungen und Josef tut sie, ohne nachzufragen, ohne aufzumucken, ohne irgendeine Äußerung.

 

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden!  (Mat 6:10)

 

Wir wissen nicht, ob er es gerne tat, wir wissen nicht, ob er Spaß dabei hatte, wie er sich fühlte, was er dachte.

Gott spricht durch einen Engel zu ihm und er tut es einfach.

 

Das Neue Testament nennt ihn einen gerechten Mann und reiht ihn in die Liste der gerechten Männer ein, in denen der Prophet Simeon und Jesus stehen.

 

Paulus wird später das alttestamentliche Bibelwort zitieren: Der Gerechte wird aus Glauben leben. Und aus Glauben hat Josef mit Sicherheit gelebt. 

Er hat, obwohl ein gesetzestreuer Jude, eine Bereitschaft an den Tag gelegt, das „Gesetz Gesetz sein zu lassen“ und Gnade zu leben. Er hat sich entschieden, der Stimme Gottes mehr zu gehorchen als dem Gesetz. Er hat es ausgehalten, entgegen dem Gesetz zu leben und zu glauben, dass obwohl Gottes Gesetz gilt, es offensichtlich einen Weg Gottes gibt, der dem Gesetz Genüge tun würde.

Und diesem Weg, Jesus, war er nicht im Wege, sondern half Ihm, dass Er in die Welt kommen konnte.

Jesus hat auch für ihn dann die Schuld getragen.

Das wusste Josef nicht, denn es sieht so aus, als ob er nicht mehr gelebt hat, als Jesus öffentlich wirksam war.

Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht. (Röm 10:4)

 

Aber er muss lange genug gelebt haben, um Ihn das Handwerk des Zimmermanns zu lehren, lange genug, um Jesus mit ihm zu verbinden, Jesus zum Sohn Josefs, des Zimmermanns, zu machen.

 

Wenn wir diesen Mann anschauen, der zwischen den Testamenten gelebt hat, können wir ihn als ein Vorbild des Glaubens sehen, des Vertrauens, der die Zerrissenheit dieser Welt aushält, der nichts schön redet, aber dennoch im Glauben vorwärtsgeht.

 

Weihnachten wird von vielen als das Fest des Friedens gefeiert, der Familie und des Zusammenkommens. Wie bei kaum einem anderen Fest liegen hier Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinander.

Wir Christen wissen, dass mit Jesu Kommen die Grundlage für die Versöhnung Gottes mit den Menschen gelegt wurde und sogar Versöhnung unter den Menschen möglich macht. Aber die Zerrissenheit in dieser Welt bleibt. Sie endet erst dann, wenn Jesus zum zweiten Mal kommt, um Sein Reich und Seine Herrschaft auf einer neuen Erde und in einem neuen Himmel aufzurichten und mit uns zu leben.

 

Bis dahin leben wir mit der Herausforderung, im Glauben das zu tun, was Gott uns aufträgt, auch wenn wir das, wonach wir streben und was wir erglauben, noch nicht gesehen haben.

Wir leben mit der Herausforderung, die auch Josef kannte: Der Herausforderung, widerspruchslos einfach zu tun, was Gott aufträgt. Es zu tun, auch wenn wir scheinbar stumm sind, man nichts von uns hört. Aber manchmal sind ja Taten lauter, als alle Reden. Und Josefs Taten waren laut! Sie werden bis heute erzählt.

Manches von dem, was wir in dieser vor uns liegenden Zeit tun, wird möglicherweise auch von niemandem gesehen, noch wird davon gehört werden. Aber Gott weiß alles, Er weiß, was wir im stillen Gehorsam Ihm gegenüber getan haben, was wir getan haben, weil es getan werden musste, getan haben, auch wenn es uns Überwindung gekostet hat, weil es unbequem war.

Denn manchmal tun wir etwas aus Gehorsam, leben wir unseren Glauben aus Disziplin, aus der Verbindlichkeit, zu der wir „ja“ gesagt haben und es fühlt sich nicht immer als „Hallelujamoment“ an.

Joseph konnte sicherlich ein Lied davon singen. Aber ohne seine stille Hingabe ist Weihnachten, schlichtweg nicht denkbar.

Du redest nicht viel, aber du lädst ein. Du bist nicht vorne, aber arbeitest im Stillen. Du machst eine ermutigende Bemerkung, ganz nebenbei, betest im Stillen, wenn du einen Konflikt siehst, weil der Geist Gottes dich drängt. Es braucht dich, wenn du ein Joseph bist, genauso, wie wenn du eine Maria bist, damit Jesus auch in dieser Zeit zu den Menschen kommen kann.

 

In diesem Sinne eine gesegnete Weihnachtszeit.

 

Eugen und Jürgen