Die Anständigen

veröffentlicht in Sonntagsblog von Eugen

Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Daniel 9,18

Heute spricht niemand von Gerechten. Heute spricht man von Anständigen.

Es gab vor 19 Jahren den Aufstand der Anständigen, der dann immer wieder bemüht wurde, wann immer „die wirklich Anständigen“ gegen irgend ein Ereignis in der Gesellschaft Stellung beziehen wollten oder sollten. Wer anständig ist, bestimmen dabei die Anständigen selbst.

Und da finden sich zumindest Bezüge zu unserem Vers.

Denn kein Mensch auf Erden ist so gerecht, daß er nur Gutes täte und niemals sündigte.
(Pred. 7:20)

Dieser Vers steht im Buch Daniel, gesprochen von Daniel selbst, in einem Gebet.

Wenn irgendeiner im alten Testament das Prädikat gerecht, anständig verdient hätte, dann wäre dies Daniel, der tatsächlich den Schneid hatte, den Obrigkeiten entgegenzutreten und koste es sein Leben. Der aber nicht einen gewalttätigen Aufruhr anzettelte, sondern einfach immer seinem Gott und dessen Gebote treu lebte. Deshalb eignet er sich nicht als eine politische Figur und Projektionsfläche unserer heutigen Anständigen – welchem Lager sie auch angehören.

Auch deshalb nicht, weil er sich nicht als gerecht, als anständig bezeichnet und auch nichts darauf gibt, dass er so gesehen werden könnte. Denn vor Gott, das weiß er, ist kein Mensch gerecht, anständig. Und deshalb kann auch kein Mensch auf seine Anständigkeit verweisen, nur um andere unanständig zu schimpfen, die nicht in der eigenen Gesinnungsblase zuhause sind.

Denn einst waren auch wir unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, dienten mancherlei Begierden ..., verhaßt, einander hassend.
(Tit 3:3)

Als Christen wissen wir das auch, dass wir nur in Christus unsere Gerechtigkeit haben. Und Jesu Gerechtigkeit ist eine andere, Seine Anständigkeit ist eine andere. Er würde von den heutigen Anständigen genau so als unanständig bezeichnet, wie dies zu Seiner Zeit von den Anständigen geschah.

Auf was vertrauen wir in diesem Leben, was gibt uns Sicherheit? Letztlich doch nur auf Gottes Barmherzigkeit, mit der Er uns alle unsere Sünden vergibt, die bekannten, die unbekannten und auch die unerkannten, wenn wir uns ganz in Seine gnädige Hand geben.

Und wenn wir das mit unserem ganzen Herzen tun, dann können wir nicht auf andere hinunterschauen, so unanständig sie auch erscheinen mögen, so verwerflich ihr Tun auch sein mag. Sie sind Menschen, die dieser Barmherzigkeit genau so bedürfen wie wir, auch wenn sie diese nicht haben wollen. Die Konsequenzen ihrer Ablehnung allerdings werden sie tragen.

Dein Eugen